Doktorandenkolleg: Klinische Psychologie (2012 - 2018)

Sprecher
Prof. Dr. Franz Petermann

Kollegkoordination
Dr. Dennis Nitkowski

Laufzeit
01.09.2012 - 30.09.2018

StipendiatInnen
Annette Lohbeck, Franziska Korsch, Franz Pauls, Christina Pechmann, Johanna Theiling, Franziska Walter, Hanna Weber

Forschungsprogramm des Doktorandenkollegs

Aufgrund der inhaltlichen Erweiterung findet die zweite Förderperiode des Doktorandenkollegs unter dem Titel „Klinische Psychologie“ statt. Unter diesem Titel lassen sich Forschungsthemen von hoher gesellschaftlicher Relevanz zusammenfassen. Die meisten psychischen Störungen des Erwachsenenalters haben ihren Ursprung im Kindes- und Jugendalter, wobei die Auftretensraten von Verhaltens- und Leistungsstörungen in dieser Altersgruppe besorgniserregend hoch sind. Da dennoch bislang nur relativ wenig darüber bekannt ist, welche Faktoren dazu beitragen, dass ein Kind einen fehlangepassten Entwicklungsweg einschlägt. Als zentrale Risikofaktoren gelten sozial- und migrationsbedingte Benachteiligungen. Innerhalb der Bremer Interventionsstudie sollen die Effekte vorschulischer Interventionsmaßnahmen auf soziale und kognitive Entwicklungsprozesse von Kindern anhand einer umfangreichen Datenbasis im Längsschnitt untersucht werden. Da Risikofaktoren und entsprechend auch Interventionsmaßnahmen abhängig vom Alter bzw. Entwicklungsstand eines Kindes unterschiedliche Wirkungen entfalten können, wird durch eine längsschnittliche Untersuchung die Zeit als zusätzlicher Faktor mit erfasst.

Auch für den Erwachsenenbereich werden die Themen der sozialen und Ungleichheit und die Migrationsproblematik aufgegriffen. Im Rahmen der Raheforschung werden dabei vor allem kulturelle und soziale Einflüssen bei psychischen Störungen sowie die kultursensible Versorgung von Migranten/innen mit psychischen Störungen untersucht. Ein zweiter Schwerpunkt soll in der Entwicklung eines Beschwerdevalidierungstests liegen. Tests dieser Art werden in der psychiatrischen Begutachtung häufig eingesetzt, werden aber immer noch kritisch diskutiert. Die Tests können ein suboptimales Leistungsverhalten und eine negative Antwortverzerrung feststellen, erlauben aber keine Unterscheidung zwischen bewusster Simulation bzw. Aggravation und unbewussten Symptomen wie sie bei der somatoformen Störung vorkommen.

Dem Kolleg werden daher zwei StipendiatInnen aus dem Bereich der Rehabilitationspsychologie angegliedert. Als PromotionsstipendiatInnen der Deutschen Rentenversicherung Hannover-Braunschweig werden sie inhaltlich von Herrn Prof. Dr. Axel Kobelt betreut und angeleitet, der sich schwerpunktmäßig mit der Effektivität psychosomatischer Rehabilitation und sozialer Ungleichheit, der Flexibilisierung psychosomatischer Rehabilitation, der medizinisch-beruflichen Rehabilitation, der psychosomatischen Nachsorge und dem Fallmanagement, der Reintegration von Menschen mit einer Rente wegen voller Erwerbsminderung aufgrund psychischer Krankheiten und der Beschwerdevalidierung beschäftigt. Entsprechend leitet er folgende Projekte:

  • Verbesserung der Erwerbsprognose durch gezielte medizinisch-berufliche Rehabilitation in der Psychosomatik
  • Flexibilisierung psychosomatischer Rehabilitation mit Fallmanagement für Versicherte mit negativer Erwerbsprognose
  • Migranten in der psychosomatischen Rehabilitation
  • Evaluation eines Fallmanagements im Rahmen psychosomatischer Nachsorge
  • Telefonische Nachsorge
  • Beschwerdevalidierung im Rehaantragsverfahren

Die Teilnehmer/innen des Kollegs werden entweder Doktorandenstipendien erhalten oder als wissenschaftliche Mitarbeiter/innen (50% Beschäftigung) am ZKPR angestellt werden. Die Stipendien und Stellen sollen zwischen April und Juli 2011 besetzt werden. Von den zukünftigen Promovierenden wird erwartet, dass sie sich im Rahmen des Doktorandenkollegs „Klinische Psychologie“ wissenschaftlich weiterqualifizieren.