WISC-IV (ehemals HAWIK-IV)

Wechsler Intelligence Scale for Children - Fourth Edition

Struktur und inhaltliche Beschreibung

Die WISC‐IV ist ein umfassendes Einzeltestverfahren zur Beurteilung der kognitiven Fähigkeiten von Kindern und Jugendlichen im Alter von 6;0 bis 16;11 Jahren. Der Test orientiert sich an der bewährten Wechsler‐Tradition und basiert gleichzeitig auf neuesten Erkenntnissen kognitionspsychologischer wie auch klinischer Forschung.

Die WISC‐IV setzt sich aus 15 Untertest zusammen, für die Berechnung des Gesamt‐IQ sind zehn Untertests (Kerntests) notwendig. Durch fünf optionale Untertests, die nicht in die Berechnungen der IQ‐Werte eingehen, können zusätzliche Informationen erhoben werden. Die zehn Kerntests werden in Skalen (Indizes) zusammengefasst, die die Fähigkeiten des Kindes in unterschiedlichen kognitiven Bereichen (Sprachverständnis, Wahrnehmungsgebundenes Logisches Denken, Arbeitsgedächtnis und Verarbeitungsgeschwindigkeit) sowie das allgemeine kognitive Niveau (Gesamt‐IQ) eines Kindes repräsentieren (siehe dazu Abb. 1). Die aus dem HAWIK‐III bekannte Aufteilung in Verbal‐ und Handlungsteil wurde zugunsten der Index‐Struktur aufgegeben.

Mit dem Index Sprachverständnis werden die sprachliche Begriffsbildung, das sprachliche Schlussfolgern und das erworbene Wissen erfasst. Die Untertests des Index Wahrnehmungsgebundenes Logisches Denken messen die Wahrnehmungsorganisation und logisches Denken mit einer starken Fokussierung auf fluides logisches Denken. Der Index Unablenkbarkeit des HAWIK‐III wurde in Arbeitsgedächtnis umbenannt und erfasst Aufmerksamkeit, Konzentration und Arbeitsgedächtnis. Mit dem Index Verarbeitungsgeschwindigkeit kann die Geschwindigkeit der mentalen und graphomotorischen Verarbeitung gemessen werden.

Die Einführung neuer Untertests (Bildkonzepte, Buchstaben‐Zahlen‐Folgen, Matrizen‐Test, Durchstreich‐Test und Begriffe erkennen) und die Herausnahme von Untertests aus dem Test oder aus der IQ‐Berechnung und somit auch die Bedeutungsverschiebung in den vier Indizes erfolgten unter Bezugnahme auf aktuelle Forschungsergebnisse (zur Beschreibung der Untertests s. Tab. 1).

Zusätzlich können auf der Index‐ und Untertestebene weitere Analysen vorgenommen werden. So ermöglicht die Profilanalyse (Diskrepanzanalyse) sehr differenzierte Aussagen über Stärken und Schwächen eines Kindes. Zusätzlich liefern Prozessanalysen wertvolle Hinweise für eine gezielte Therapieplanung. Für die Berechnung von Prozesswerten sind keine zusätzlichen Testdurchführungen notwendig (siehe dazu Manual zur WISC‐IV, Petermann & Petermann, 2011, S. 41ff.).

Bearbeitungsdauer

Die Bearbeitungszeit beträgt zwischen 60 und 90 Minuten.

Abbildung 1: Struktur der WISC (optionale Untertests = kursiv) (modifiziert nach Daseking et al., 2007, S. 253)

Bild: Struktur der WISC

Tabelle 1: Beschreibung der WISC‐IV‐Untertests

Skalen - Untertests
Gesamt-IQ:
globale kognitive Fähigkeit, allgemeine Intelligenz
Sprachverständnis:
sprachliche Begriffsbildung, sprachliches Schlussfolgern, Umgang mit erworbenem Wissen
GFGemeinsamkeiten findenVerbales Schlussfolgern und Konzeptbildung, auditives Verständnis, Gedächtnis, verbaler Ausdruck
WTWortschatz-TestWortwissen eines Kindes und Begriffsbildung, Lernfähigkeit, Langzeitgedächtnis, Sprachentwicklung
AVAllgemeines VerständnisVerbales Schlussfolgern und verbale Konzeptualisierung, sprachliches Verständnis, sprachlicher Ausdruck, Wissen um konventionelle Verhaltensstandards, soziales Urteil
AWAllgemeines WissenKristalline Intelligenz, allgemeines Faktenwissen, Langzeitgedächtnis
BENBegriffe erkennenVerbales Schlussfolgern, sprachliches Verständnis, verbale Abstraktion, Bereichswissen, Integration und Synthetisierung verschiedener Informationsarten, Generierung alternativer Konzepte
Wahrnehmungsgebundenes Logisches Denken:
Fluide Intelligenz, Wahrnehmungsorganisation, logisches Denken, räumlich-konstruktive Leistungen, visuomotorische Integration.
MTMosaik-TestAnalyse und Synthetisierung abstrakter visueller Stimuli, nonverbale Konzeptbildung, visuelle Wahrnehmung und Organisation, visuo-motorische Koordination, Figur-Grund-Unterscheidung bei visuellen Stimuli
BKBildkonzepteAbstraktes kategoriales Denken
MZMatrizen-TestFluide Intelligenz
BEBilder ergänzenVisuelle Wahrnehmung und visuelle Organisation
Arbeitsgedächtnis:
kurzfristiges Behalten im Gedächtnis, Durchführung von Operationen/Manipulationen, Auf-merksamkeit, Konzentration und Arbeitsgedächtnis
ZNZahlen nachsprechenAuditives Kurzzeitgedächtnis; Fertigkeit zur Reihenbildung, Aufmerksamkeit.
Zahlen nachsprechen vorwärts: automatisiertes Lernen, Gedächtnis, Aufmerksamkeit.
Zahlen nachsprechen rückwärts: Arbeitsgedächtnis, mentale Rotation, visuell-räumliches Vorstellungsvermögen.
Wechsel: kognitive Flexibilität
BZFBuchstaben-Zahlen-FolgenReihenfolgenbildung, mentale Rotation, Aufmerksamkeit, auditives Kurzzeitgedächtnis, visuell-räumliches Vorstellungsvermögen, Verarbeitungsgeschwindigkeit
RDRechnerisches DenkenMentale Rotation, Konzentration, Aufmerksamkeit, Kurz- und Langzeitgedächtnis, Rechenfähigkeit
Verarbeitungsgeschwindigkeit:
Geschwindigkeit der mentalen und graphomotorischen Verarbeitung, visuelle Analysefähigkeit, visuelles Kurzzeitgedächtnisses, Aufmerksamkeit und visuomotorische Koordination
ZSTZahlen-Symbol-TestKognitive Verarbeitungsgeschwindigkeit, Kurzzeitgedächtnis, Lernfähigkeit, visuelle Wahrnehmung, visuomotorische Koordination, Fähigkeit zum visuellen Scanning, kognitive Flexibilität, Aufmerksamkeit
SYSSymbol-SucheKognitive Verarbeitungsgeschwindigkeit, visuelles Kurzzeitgedächtnis, visuomotorische Koordination, kognitive Flexibilität, visuelle Diskrimination, Konzentration
DTDurchstreich-TestVerarbeitungsgeschwindigkeit, visuelle selektive Aufmerksamkeit